Verfassung

In Verbindung mit der Auflösung der Union mit Dänemark im Jahre 1814 wurde das norwegische Grundgesetz verabschiedet - eine der ersten freiheitlichen Verfassungen der Weltgeschichte. Inspiriert vom europäischen politischen Denken jener Zeit und den Verfassungen in England, Frankreich und den USA wurden hier die grundlegenden Prinzipien des norwegischen Staates festgeschrieben: Souveränität des Volkes, Gewaltenteilung zwischen König (Regierung), Storting (Parlament) und Gerichten sowie garantierte Rechte jedes einzelnen Bürgers.

Nach der Niederlage Napoleons in Russland 1812 hatten die Großmächte dem schwedischen Thronfolger Norwegen versprochen, falls sich Schweden an einem Feldzug gegen Frankreich beteilige. Und so geschah es zunächst auch. Der dänische König, auf Napoleons Seite, trat im Frieden von Kiel Norwegen an Schweden ab. Zu diesem Zeitpunkt allerdings weilte noch der dänische Thronfolger Kristian Fredrik als Statthalter in Oslo. Er weigerte sich, die Vereinbarungen anzuerkennen, wollte sich zum König ausrufen lassen und berief im Februar 1814 diejenigen, die später die Gründungsväter Norwegens werden sollten,  zu einem Treffen auf Gut Eidsvoll ein.

Diese betonten aber, dass Norwegen vor allem eine liberale Verfassung brauche - ein neuer König könne nur vom Volke gewählt werden. So konnten wenig später Bauern, Gutsbesitzer, Staatsbeamte und Bürger Wahlmännern ihre Stimme leihen, die dann ihrerseits die Abgeordneten einer Verfassunggebenden Versammlung wählten. Am 10. April 1814 trafen sich die gewählten Abgeordneten zu einem Gottesdienst, tags darauf wurde die Verfassunggebende Versammlung eröffnet.

Unter den 112 Delegierten befanden sich 37 Bauern, 13 Kaufleute, 5 Gutsbesitzer und 57 Beamte. Sie formulierten so schnell wie möglich ein Grundgesetz, um ein Eingreifen der großen ausländischen Mächte zu verhindern. Am 17. Mai wurde schließlich ein in Reinschrift ausgefertigtes Exemplar unterzeichnet und mit Siegel versehen - und Kristian Fredrik zum König eines freien, selbständigen und unabhängigen Norwegen gewählt.

 


Quelle: odin.dep.no (gekürzt)   |   Anteil in Ihrem Netzwerk   |   print