Ein Amtsausschuss unter norwegischer Leitung wird mit Unterstützung des Sekretariats des Ostseerats in Stockholm als Vorsitz amtieren.
Norwegen ist seit der Gründung 1992 Mitglied des Ostseerats. Der Vorsitz wird gemäß einer vereinbarten Rotation unter den Mitgliedern aufgeteilt. Norwegen hatte den Vorsitz zuletzt 1999/2000.
Alle Länder mit direkter Verbindung zur Ostsee sind Mitglieder des Ostseerats. Hinzu kommen auch Norwegen und Island, sowie die Europäische Kommission. Der Rat ist sowohl ein Forum für den politischen Dialog als auch ein Forum für konkrete Zusammenarbeit in der Region. Der Ostseerat ist einer von vier regionalen Räten in Nord-Europa und Norwegen ist Mitglied in allen vier.
Der Ostseerat ist ein wichtiger Teil der norwegischen Nachbarschaftspolitik. Die Sitzungen des Rats tragen unter anderem dazu bei, die Beziehung Norwegens zu den neuen EU-Mitgliedern in der Region Estland, Lettland, Litauen und Polen weiter zu entwickeln. Die norwegische Teilnahme im Rat bietet zugleich die Möglichkeit für einen ständigen Kontakt zu Russland und der Europäischen Kommission innerhalb eines übersichtlichen multilateralen Rahmens.
Während seines Vorsitzes im Ostseerat wird Norwegen vorrangig die Themen behandeln, die vom Rat als wichtigste Arbeitsaufgaben festgelegt wurden. Dazu zählen Umwelt, Energie, ökonomische Entwicklung, Ausbildung und Kultur, sowie zivile Sicherheit. Zu diesen Themen wird Norwegen, mit guter Unterstützung der norwegischen Fachministerien, verschiedene Arbeitsgruppen ins Leben rufen und leiten.
Zusätzlich wird der norwegische Vorsitz sich drei besondere Prioritäten setzen: maritime Politik, Menschenhandel und die Weiterentwicklung der Organisation an sich.
Die Bevorzugung der maritimen Politik fügt sich natürlich in die bereits laufende Arbeit ein, unter anderem innerhalb des Rahmens der EU-Strategie für die Ostseeregion, in der auch integrierte maritime Annäherung ein zentrales Thema ist. Die Ostsee ist heute bereits ein wichtiges Gebiet für maritime Aktivitäten, und man erwartet, dass sich der Schiffsverkehr in den nächsten Jahren beachtlich verstärken wird. Der Ostseerat wird seinen Teil der Aufgabe bei der Weiterentwicklung der Zusammenarbeit auf maritimem Gebiet leisten, mit Schwerpunkt auf die Umweltherausforderungen als Folge der maritimen Aktivität.
Die Bekämpfung von Menschenhandel war in den letzten Jahren eine zentrales Aufgabenfelt für den Ostseerat, und unter norwegischem Vorsitz wird diese Arbeit weitergeführt. Menschenhandel innerhalb und durch die Ostseeregion hat viele Seiten, und nimmt ständig neue Formen an. Der Kampf gegen den Handel mit Frauen und Kindern steht im Mittelpunkt, genauso wie Maßnahmen gegen den Menschenhandel in Verbindung mit dem Arbeitsmarkt. Der norwegische Vorsitz wird versuchen, eine ganzheitliche Betrachtung dieser Herausforderungen vorzunehmen.
Im Jahre 2008 verabschiedete der Ostseerat eine Reform, die sich unter anderem ein ergebnisorientierteres Arbeiten der Organisation als Ziel setzte. Zur Umsetzung dieser Reform soll in Zukunft in Zusammenarbeit mit anderen Institutionen, wie dem Nordischen Ministerrat und der EU- Ostseestrategie, einer Projektübersicht erstellt werden. Der Ostseerat hat kaum eine Tradition auf dem Gebiet der Projektarbeit, was eine Herausforderung für den norwegischen Vorsitz darstellt. Die Aufgabe Norwegens besteht nun darin, ein eher projektorientiertere Arbeitsweise in der Organisation zu etablieren und die Professionalität der Ratsverwaltung dadurch zu verbessern, dass man konkrete Projekte durch die Beschaffung externer Finanzierungsquellen ermöglicht. Durch mehr projektbasierende Arbeit wird die Organisation auch einen grössere Offentlichkeitswirksamkeit erreichen, als dies heute der Fall ist.
Der norwegische Vorsitz des Ostseerats wird mit einer Außenministersitzung in Oslo im Juni 2011 beendet. Nach Norwegen wird Deutschland den Vorsitz des Rats übernehmen.