Forschungsleiterin Mari Teigen am Institut für Sozialforschung (Institutt for samfunnsforskning). 
Foto: Målfrid Bye Haugen / EU-Delegation.Forschungsleiterin Mari Teigen am Institut für Sozialforschung (Institutt for samfunnsforskning). Foto: Målfrid Bye Haugen / EU-Delegation

Die Quotenregelung - eine Erfolgsgeschichte

Letzte Aktualisierung: 20.05.2010 // Die norwegische Quotenregelung hat dazu beigetragen, dass Norwegen an der Weltspitze steht, wenn es um die Repräsentation von Frauen in Aufsichtsräten geht.

Als erstes Land der Welt führte Norwegen im Januar 2006 die Regelung über die „Geschlechterverteilung in so genannten allgemeinen Aktiengesellschaften“ ein. Dieses geschlechtsneutrale Gesetz, dass im Unternehmensgesetz verankert ist, beinhaltet, dass mindestens 40 Prozent der Sitze in den Aufsichtsräten aller börsennotierter Unternehmen mit Frauen, bzw. Männern zu besetzen sind

Andere Länder schauen nun gen Norden und meinen, die Quotenregelung sei eine Erfolgsgeschichte. Dazu haben jetzt die Forscherinnen Mari Teigen und Aagoth Storvik, vom Institut für Sozialforschung (Institutt for samfunnsforskning) in Oslo, im Auftrag der Friedrich- Ebert Stiftung eine Studie veröffentlicht.

Beide beschäftigen sich seit mehreren Jahren mit Gleichberechtigungsthemen und arbeiten zurzeit unter anderem an einem langfristigen Forschungsprojekt im Bereich Geschlechterquotierung.

Die Studie will einen Beitrag zum besseren Verständnis des norwegischen Modells leisten und befasst sich mit dem gesellschaftlichen und politischen Entwickungsprozess, den das Gesetz in Norwegen durchlaufen hat. Gleichzeitig sollen die Erfahrungen aus Norwegens aber auch als Lehrbeispiel genutzt werden, ob sich jedoch andere Europäische Staaten daran ein Beispiel nehmen werden, wird sich zeigen. 

Teigen und Storvik präsentieren in ihrer Arbeit mehrere wichtige Erkenntnisse, unter anderem befassen sie sich mit der politischen und gesellschaftlichen Arena im Vorfeld der Einführung des Gesetzes.

Auf der politischen Ebene herrschte in Norwegen eine breite politische Mehrheit über die Zustimmung des Gesetzes. Sowohl das konservativ-Mitte Regierungsbündnis, als auch die oppositionelle Arbeiterpartei und die sozialistische Linkspartei, die im Verlaufe des Gesetzgebungsprozesses zusammen mit der Zentrumspartei die Regierungsmacht übernahmen, unterstützten die Quotenregelung.

In der sehr intensiv geführten öffentlichen Debatte war die Stimmung jedoch sehr unterschiedlich: Befürworter und Gegner argumentierten hier vor allem mit den Prinzipien der Gleichheit, Anti-Diskriminierung, Vielfalt und der Unabhängigkeit unternehmerischer Entscheidungen. Nach der Einführung des Gesetzes hat sich die Diskussion über die Quotenregelung jedoch beruhigt und heute ist die Regelung in Politik und Gesellschaft weitgehend unumstritten 

Auch in anderen Bereichen kann man von einer erfolgreichen Umsetzung sprechen: während im Jahre 2002 nur sechs Prozent Frauen in norwegischen Aufsichtsräten vertreten waren, hatte man 2008 das Ziel erreicht und ein Frauenanteil von durchschnittlich 40 % umgesetzt. Jedoch gibt es auch hier noch Verbesserungsbedarf: die mehrheit der Aufsichtsratvorsitzenden sind immer noch männlich und nur zwei Prozent der Manager an der Osloer Börse regisitrierten Unternehmen sind Frauen.

Foto: Marius E. Hauge  .Foto: Marius E. Hauge

 

Eine der wichtigsten Erkenntnisse der Studie ist es, dass die Umsetzung  auch stark von dem Verhängen von Sanktionen abhängig war. Bei Nichtbefolgung droht den Unternehmen die Auflösung. Besonders deutlich wird dieser Sachverhalt, wenn man die minimale Erhöhung der Anzahl an Frauen in der anfänglich freiwilligen Einführungsphase betrachtet.  

Die Quotenregelung kann somit als ein wirksames Instrument gelten um Frauen in die Vorstände und Führungspositionen in Unternehmen zu holen. Die Ergebnisse von Teigen und Storvik zeigen auch, dass die neuen Aufsichtsräte im Schnitt jünger und besser ausgebildet sind als ihre männlichen Kollegen, wodurch sich das Bildungsniveau in diesen Gremien erhöht. Das Qualifikationsprofil der Frauen gleicht demhingegen mehr oder weniger dem der Männer.  

Das norwegische Modell hat auch in vielen europäischen Ländern eine gesellschaftliche Debatte über Frauen in Führungspositionen der Wirtschaft ausgelöst. So ist auch in Deutschland sowohl auf Bundes- als auch auf Landesebene eine vermehrte Diskussion über eine Geschlechterregelung zu erkennen. 

Den Bericht von Mari Teigen und Aagoth Storvik kann unter diesem Link herunterladen werden: http://library.fes.de/pdf-files/id/ipa/07310.pdf

 Quelle: Das norwegische Experiment- eine Frauenquote für Aufsichtsräte, Storvik und Teigen,  Juni 2010


Quelle: Målfrid Bye Haugen / EU-Delegation und Norwegische Botschaft Berlin   |   Anteil in Ihrem Netzwerk   |   print