Die norwegische Verteidigungsministerin Grete Faremo. Foto: Scanpix v/Berit Roald/Büro des Ministerpräsidenten AFGHANISTAN: Das Ziel des Einsatzes in Afghanistan ist, dass die Afghanen ihre Sicherheit selbst verwalten können. Am 11. Mai trafen sich Verteidigungsminister aus 16 Ländern in Berlin. Dort haben sie besprochen, wie sie dazu beitragen können, die Ziele von UNO und ISAF, die Afghanen in ihrem eigenen Land zu befähigen, besser zu erreichen. Das Ziel gilt für jeden Sektor der Gesellschaft, aber für Norwegen stehen natürlicherweise die Unterstützung zum Aufbau des afghanischen Sicherheitssektors: Verteidigung, der Grenzschutz, die Polizei, die Gerichte und das Gefängniswesen im Fokus. Im Einklang mit dem UNO-Mandat ist das Ziel, die Schaffung eines funktionsfähigen Staats, um damit zu verhindern, dass Afghanistan sich wieder in eine Bedrohung für den internationalen Frieden und die Sicherheit wandelt.
ISAFs Hauptfokus hat sich von der Aufstandsbekämpfung zum Bevölkerungsschutz verändert. Deshalb kommt es jetzt zu einer extremen Erhöhung der Anzahl afghanischer Sicherheitskräfte, sowie auch der ISAF Truppen. Wir konzentrieren uns immer mehr auf Training, Ausbildung und Zusammenarbeit mit den Afghanen im Feld.
Diese Änderung, die jetzt im ISAF erfolgt, geht in die Richtung, in die Norwegen jahrelang praktiziert und gearbeitet hat. Norwegen fand es immer wichtig, Aufgaben nicht selbst zu übernehmen, zu denen die Afghanen selbst in der Lage waren. Diese Praxis ist im Rest Afghanistans leider nicht so üblich wie bei uns. Wir müssen afghanische Kapazitäten aufbauen, nicht untergraben.
Bei dem Berliner-Treffen versuchen alle, die mit ihren Streitkräften in Nord-Afghanistan beteiligt sind, den gesamten Militäreinsatz besser zu koordinieren, in Bezug auf neue Herausforderungen und die neue Strategie. Es ist nicht effektiv, wenn jedes Land eine eigene Strategie entwickeln muss. Wir brauchen eine engere Zusammenarbeit und gemeinsame Ziele. Norwegen legt besonders viel Wert auf die verbesserte Koordinierung von afghanischen und amerikanischen Truppen in Faryab.
Weder Norwegen noch die NATO wollen übrigens einen Tag länger als notwendig in Afghanistan bleiben. Norwegen hat sich mittlerweile nicht für ein Rückzugsdatum entschieden. Wir sind mit unseren Alliierten in Afghanistan eingezogen und wollen einen gemeinsamen Abzug ermöglichen. Desto wichtiger, dass wir einen klaren Fokus bei der Kapazitäts- und Eigentümerschaft der Afghanen behalten. Das ist der richtige Weg zum Ende unseres Militäreinsatzes in Afghanistan. Die NATO hat kürzlich ein Konzept zur schrittweisen Übergabe der Sicherheitsverantwortung an die Afghanen selbst entwickelt, und das Ziel ist, den Afghanen die Hauptverantwortung für Sicherheit in ein paar Jahren ganz zu übergeben.
Die Sicherheitsverstärkung läuft unter neuen Herausforderungen. Die Sicherheitssituation im Norden ist immer anspruchsvoller geworden. Mehrere Truppen, die in neuen Gebieten tätig sind, bedeuten einen häufigeren Kontakt mit Aufständischen. Dies haben wir als eine böse Anmahnung bekommen, als am letzten Sonntag, neun norwegische Soldaten im Einsatz verwundet worden sind. Solche Ereignisse hinterlassen einen tiefen Eindruck auf mich. Gleichzeitig bin ich sicher, dass die norwegischen Soldaten einen soliden Beitrag leisten. Sie sind gut ausgebildet, ausgerüstet und besitzen eine Professionalität und ein Engagement auf das ich stolz bin.
Mit der laufenden Truppenerhöhung müssen wir auch mit einem, wie jetzt, relativ hohen Anteil an sicherheitsrelevanten Geschehnissen rechnen. Wir sehen aber keine Alternativen. Solange wir Afghanistan stabilisieren wollen, können wir uns nicht erlauben, die größten Herausforderungen einfach zu übersehen.
Wir spüren deutliche Fortschritte, besonders in Bezug auf die afghanischen Sicherheitskräfte und deren Befugnis und Willen, Verantwortung zu übernehmen. Die Alliierten und afghanischen Streitkräfte arbeiten enger als je zusammen. Dies ist wichtig, weil nur die Afghanen die kommenden Herausforderungen meistern können, sowie das Land auf lange Sicht entwickeln.