Die Monarchie

Die Wurzeln der norwegischen Monarchie reichen mehr als tausend Jahre zurück. Im Laufe der Zeit hat es gut 60 Regenten gegeben, die alle namentlich bekannt sind. Der heutige Monarch stammt aus dem Hause Glücksburg, das seit 1905 in Norwegen regiert .

Könige der Sagazeit
In der Tradition der Sagas gilt Harald I. Hårfagre ("Schönhaar", ca. 865 - ca. 933) als der erste König, der das ganze Land regierte. Es heißt, er habe das Königreich mit zehn Jahren übernommen, nachdem sein Vater, Halvdan Svarte, bei einer Fahrt über den zugefrorenen Randsfjord ertrunken war. Halvdan Svarte war Kleinkönig in Vestfold und Oppland, der junge Harald hatte sich jedoch der Überlieferung zufolge vorgenommen, Norwegen zu einigen. Unter seinem Sohn, Håkon I. Haraldsson (Adelstensfostre, d. h. Pflegesohn des englischen Königs Athelstan, ca. 920-960), wurden die ersten Versuche unternommen, das Land durch eine gemeinsame Küstenverteidigung (norw. leidang, eigtl. Schiffsgestellung) administrativ zusammenzufassen. Die Einführung des Christentums in Norwegen und die Schaffung einer landesweiten Kirche unter Olav II. (995-1030), dem Heiligen, hatten eindeutig eine vereinigende Funktion.

Mittelalter
Im Hochmittelalter entwickelte sich die von Kleinkönigen geprägte Aristokratie allmählich zu einer Gesellschaft mit einer dem König verpflichteten Oberschicht. Es entstanden Einrichtungen der Staatsverwaltung wie Reichstage, Rat des Königs und Kanzlei. Die Beamten waren vorwiegend Angehörige des königlichen Hofes und der Leibwache. Auch die örtliche Verwaltung wurde einheitlich gestaltet: Der Sysselmann ("Amtmann") war in seinem Bezirk der oberste königliche Beamte; der Lagmann ("Rechtsprecher") war für rechtliche Fragen zuständig und später auch Richter. Erbe und Macht als rechtliche Grundlage des Königtums blieben bestehen. Das Thronfolgergesetz von 1163 legte fest, dass nicht mehr jeder Königssohn ein Anrecht auf den Thron hatte.

Die Kalmarer Union
König Håkon VI. Magnusson (1340-1380) heiratete Margrete (1353-1412), Tochter des dänischen Königs Valdemar Atterdag. Nach dem Tod von deren Sohn, dem norwegischen und dänischen König Olav IV. (1370-1387), riefen die Reichsräte seine Mutter zur "mächtigen Herrscherin von Norwegen und Dänemark" aus. Das Gleiche geschah einige Jahre später in Schweden, nachdem Margrete den schwedischen König, Albrecht von Mecklenburg, besiegt hatte. Sie setzte ihren nächsten Verwandten (Großneffen) Erich von Pommern (ca. 1382-1459) als ihren Nachfolger ein, und auf dem Kalmarer Schloss in Schweden wurde er 1397 zum König der Kalmarer Union (Norwegen, Dänemark und Schweden) gekrönt. Dieser Dreistaatenbund fand 1520 mit der Eroberung Schwedens durch Christian II. (1481-1559) ein unerwartetes Ende. Skandinavien zerfiel in zwei politische Einheiten, Dänemark-Norwegen und Schweden-Finnland.


Absolutismus
Eine Ständeversammlung in Kopenhagen huldigte im Jahre 1660 König Frederik III. (1609-1670) als Erbkönig und stellte es ihm anheim, den Königreichen eine neue Verfassung zu geben. Der Adel verlor seine starke Stellung, und die Grundlage für eine absolutistische Monarchie, die die folgende Union mit Dänemark kennzeichnen sollte, war gelegt. Für Norwegen änderte sich hierdurch nicht viel, da das Land von Kopenhagen aus – von dänischen Beamten – regiert wurde.


Frieden von Kiel
1807 wurde Kopenhagen von britischen Marinestreitkräften angegriffen, um eine Übernahme der dänisch-norwegischen Flotte durch Frankreich zu verhindern. Daraufhin erklärte der Regent, der spätere König Frederik VI. (1768-1839), Großbritannien den Krieg. Das Schicksal des dänisch-norwegischen Staates war vom Ausgang der Napoleonischen Kriege abhängig. Bei einem britischen Sieg würde Dänemark wahrscheinlich Norwegen verlieren. Der schwedische Kronprinz Carl Johan (1763-1844) hatte der Außenpolitik seines Landes eine neue Richtung gegeben. Der Anspruch auf Finnland wurde aufgegeben, Schweden wurde jedoch von Großbritannien und Russland darin unterstützt, als Ersatz für Finnland Norwegen beanspruchen zu können. Im Frieden von Kiel (14. Januar 1814) wurde Norwegen an Schweden abgetreten, während Dänemark die früheren norwegischen Besitzungen Island, Färöer und Grönland behielt.

Eine selbstständige Nation

Im 18. Jahrhundert erstarkte im Bürgertum das Nationalbewusstsein, und damit wuchs der Widerstand gegen die Bemühungen der Staatsführung, Kopenhagen zum wirtschaftlichen Mittelpunkt des Gesamtstaats Dänemark-Norwegen zu machen. Als der Thronfolger Christian Frederik (1786-1848) über den Frieden von Kiel unterrichtet wurde, weigerte er sich, diesen anzuerkennen. Er hielt an seinem Anspruch auf den norwegischen Thron fest und wollte sich zum König von Norwegen ausrufen lassen.

Bei einer Begegnung mit führenden Norwegern am 16. Februar in Eidsvoll musste Christian Frederik zugestehen, dass die Souveränität über Norwegen auf das norwegische Volk übergegangen war. Es wurde beschlossen, eine verfassunggebende Versammlung einzuberufen. Prinz Christian Frederik sollte Norwegen zusammen mit einem aus mehreren Mitgliedern bestehenden Regierungsrat regieren.

Am 10. April trat die so genannte Reichsversammlung in Eidsvoll zusammen. Kurz nach der Eröffnung der Sitzung stellte sich heraus, dass nicht alle Vertreter das Ziel der Selbstständigkeit unterstützten. Mehrere führende Vertreter hielten es für unmöglich, einen selbstständigen norwegischen Staat gegen den Willen der Großmächte beizubehalten. Am 17. Mai wurde die neue Verfassung verabschiedet, und Christian Frederik wurde zum König von Norwegen gewählt. Erst nach Beendigung des Feldzuges gegen Napoleon machten die Schweden ihren Anspruch auf Norwegen tatsächlich geltend. Carl Johan verlangte die Unterstützung durch die Großmächte, um die Bestimmungen des Friedens von Kiel durchsetzen zu können.

Am 10. April trat die so genannte Reichsversammlung in Eidsvoll zusammen. Kurz nach der Eröffnung der Sitzung stellte sich heraus, dass nicht alle Vertreter das Ziel der Selbstständigkeit unterstützten. Mehrere führende Vertreter hielten es für unmöglich, einen selbstständigen norwegischen Staat gegen den Willen der Großmächte beizubehalten. Am 17. Mai wurde die neue Verfassung verabschiedet, und Christian Frederik wurde zum König von Norwegen gewählt. Erst nach Beendigung des Feldzuges gegen Napoleon machten die Schweden ihren Anspruch auf Norwegen tatsächlich geltend. Carl Johan verlangte die Unterstützung durch die Großmächte, um die Bestimmungen des Friedens von Kiel durchsetzen zu können.

Union mit Schweden
Zwischen Norwegen und Schweden brach ein Krieg aus, der wegen der Überlegenheit der Schweden jedoch nur kurze Zeit dauerte. Nach Friedensverhandlungen wurde am 14. August das Übereinkommen von Moss unterzeichnet. Die Verfassung wurde von den Schweden mit den für die Herstellung der Union erforderlichen Änderungen angenommen. Christian Frederik verzichtete auf den Thron, und ein außerordentliches Storting (norw. Nationalversammlung) stimmte der Union zu. Am 4. November 1814 wurde die geänderte Verfassung unterzeichnet, und der schwedische König Carl XIII. (1748-1818) wurde zum König Norwegens gewählt. In Norwegen trug er den Namen Carl II. Der neue norwegische König war krank, und seine Aufgaben wurden von seinem Adoptivsohn Carl Johan wahrgenommen. Der in Frankreich geborene Kronprinz hieß ursprünglich Jean-Baptiste Bernadotte. Er war einer der Marschälle Napoleons und wurde durch Zufall 1810 zum schwedischen Thronerben gewählt. Als König Carl II. 1818 starb, bestieg in Norwegen und Schweden erstmals ein König aus dem Hause Bernadotte den Thron.
 

Das Haus Bernadotte
In den Jahren nach 1814 war Norwegen von einer wirtschaftlichen Depression betroffen, und auch große Teile Europas erlebten nach den Napoleonischen Kriegen schlechte Zeiten. In einer Reihe von Fragen stand das Storting in starker Opposition zu Carl Johan (1763-1844). Die Schuldenabrechnung mit Dänemark führte zu großer Verbitterung, wurde aber trotzdem beschlossen.
König Carl III. Johan
Carl III. Johan - in Schweden Carl XIV. - war der Anwaltssohn aus Pau in Frankreich, der König von Norwegen und Schweden wurde. Ursprünglich hieß er Jean-Baptiste Bernadotte. Nach dem Tod seines Vaters, Henri, brach er seine juristische Ausbildung ab und schlug die Unteroffizierslaufbahn ein. Bernadotte zeichnete sich durch Mut und Führungsstärke aus. Er wurde schnell befördert. Während der Französischen Revolution erhielten auch Nichtadlige die Möglichkeit, Offizier zu werden, und 1794 wurde Bernadotte Brigadegeneral. Als Napoleon sich selbst zum französischen Kaiser ernannte, machte er Jean-Baptiste Bernadotte zum Marschall und später zum Herrscher des kleinen Fürstentums Ponte Corvo in Italien.

1809 fiel Bernadotte bei Napoleon in Ungnade und war ohne Arbeit, als er mit dem schwedischen Leutnant Carl Otto Mörner zusammentraf. Dieser hielt sich in Paris auf, um die Zustimmung Napoleons zur Wahl des schwedischen Thronfolgers einzuholen, König Carl XIII. war nämlich kinderlos. Mörner betrieb auf eigene Faust Politik und bot Jean-Baptiste Bernadotte den schwedischen Thron an. So kam es, dass der Reichstag den französischen Marschall 1810 zum Kronprinzen erkor. Dieser nahm den Namen Carl Johan an. Viele glaubten, Carl Johan würde Napoleon unterstützen. Doch als die Franzosen in Schwedisch-Vorpommern einmarschierten, beteiligte Schweden sich auf britischer und russischer Seite am Krieg.

Als die Norweger den Frieden von Kiel nicht gutheißen wollten - dem zufolge Dänemark Norwegen an Schweden abtreten sollte -, erklärte der an Krieg gewohnte Kronprinz den Krieg. Nach kurzer Zeit endete die Auseinandersetzung mit dem Übereinkommen von Moss und den Änderungen der Verfassung vom 4. November. Carl Johans Adoptivvater, der schwedische König Carl XIII. (1748-1818), wurde zum König von Norwegen gewählt (als Carl II.). Vier Jahre später starb er, und Carl Johan wurde König von Norwegen und Schweden. Da das Storting sich nicht in der Lage sah, Mittel für die Krönung im Nidarosdom zu Trondheim bereitzustellen, bezahlte der König die Krönungsinsignien selbst. König Carl Johan geriet mehrfach in Konflikt mit dem Storting. Er versuchte unter anderem, die Verfassung zu ändern, um sich dadurch mehr Macht zu verschaffen, wurde aber niedergestimmt. Dieser Versuch und sein Widerstand gegen die feierliche Begehung des Tages der Verfassung (17. Mai) verstärkten das Nationalbewusstsein unter den Norwegern. Carl Johan war oft in Norwegen und ergriff die Initiative zum Bau des Königlichen Schlosses in Oslo. Er war mit der früheren Verlobten Napoleons, Desirée Clary (1777-1860), verheiratet und hatte mit ihr einen Sohn, Oscar (1799-1859).
 

König Oscar I
1824 wurde der junge Thronerbe zum Vizekönig von Norwegen ernannt. Zusammen mit seiner Frau, Kronprinzessin Josephine (1807-1876), wohnte er nach der Ernennung ein halbes Jahr in Norwegen. Der Vizekönig leitete die Regierungssitzungen und machte einen guten Eindruck. 1839 verfasste der Kronprinz eine Abhandlung, die sich mit den Gesetzen über die Wahl von Gemeinde- und Stadträten befasste. Im Gegensatz zu seinem Vater hatte Oscar eine liberale Einstellung. Er setzte sich unter anderem für Strafrechtsreformen ein. Als Oscar 1844 König wurde, weigerte der Bischof von Nidaros sich, ihn zu krönen, da die neue Königin katholisch war. König Oscar I. zeigte großes Interesse für die Außenpolitik. Er war oft anderer Meinung als das Storting, ergriff aber in Fragen der Gleichstellung der beiden Staaten innerhalb der Union für Norwegen Partei. König Oscar und Königin Josephine hatten fünf Kinder, von denen zwei Söhne König von Norwegen und Schweden wurden.

König Carl IV.
König Carl IV. - in Schweden Carl XV. - (1826-1872) war der erste Prinz aus dem Hause Bernadotte, der in Skandinavien geboren wurde und Schwedisch als Muttersprache hatte. 1845 begann Kronprinz Carl Vorlesungen in Geschichte an der Universität Christiania (Oslo) zu hören. Im Gegensatz zu seinem Vater ergriff er im Kampf gegen schwedische Kräfte nie für Norwegen Partei. Dies zeigte sich deutlich, als er sein dem Storting gegebenes Versprechen nicht einhielt, den Beschluss zur Abschaffung des Statthalterpostens zu bestätigen. Auf Druck von schwedischer Seite weigerte sich der König, die Verfassungsänderung zu unterzeichnen. Der König stand mehrfach in Opposition zum Storting. Der Eröffnung der Eisenbahnstrecke zwischen Christiania (Oslo) und Stockholm blieb er fern, nachdem das Storting einen Vorschlag abgelehnt hatte, einen gemeinsamen Staatsrat der Union einzuführen, in dem norwegische und schwedische Mitglieder in gleicher Zahl vertreten waren. Der König war mit der niederländischen Prinzessin Louise (1828-1871) verheiratet. Ihre Tochter Louise (1851-1926) wurde mit dem dänischen Thronerben Frederik (1843-1912) vermählt, sie waren die Eltern von König Haakon (1872-1957). König Carl IV. starb 1872 mit nur 46 Jahren. Da sein Sohn Carl Oscar 1854 im Alter von zwei Jahren gestorben war, ging der Thron nun auf den jüngeren Bruder des Königs, Oscar, über.

Oscar II.

Keiner der Bernadotte-Könige hielt sich mehr in Norwegen auf als Oscar II. (1829-1907); dieser schrieb und sprach auch gut Norwegisch. Der König war sehr belesen und verfasste viele Gedichte. Später wurden seine Memoiren in Buchform herausgegeben. Zu Lebzeiten galt er als der "aufgeklärteste Monarch Europas". 1857 heiratete er Prinzessin Sophie von Nassau (1836-1913). Das Ehepaar hatte vier Söhne: Gustaf (1858-1950), Oscar (1859-1953), Carl (1861-1951) und Eugen (1865-1947). Prinz Carl war der Vater von Kronprinzessin Märtha (1901-1954). Kurze Zeit, nachdem Oscar und Sophie Königspaar geworden waren, wurden sie gekrönt, zuerst in Stockholm und dann in Trondheim. Vor der Krönung machte der König eine lange Reise durch Nordnorwegen, bis zur russischen Grenze bei Grense Jakobselv. Schon als Prinz hatte Oscar II. das Land ausgiebig bereist.

Seine Regierungszeit begann vielversprechend mit der Sanktionierung des Storting-Beschlusses, das Amt des Statthalters abzuschaffen. Später geriet der König mehrfach in Streit mit dem Storting, was letztendlich zur Auflösung der Union im Jahr 1905 führte. 1872 beschloss das Storting eine Verfassungsänderung über den Zugang der Staatsräte zum Storting. Die Regierung schlug vor, diesen Beschluss nicht zu sanktionieren, und der König legte sein Veto ein. Dies zog eine lange, erbitterte Auseinandersetzung zwischen König und Storting nach sich. 1880 stimmte das Storting zum dritten Mal mit qualifizierter Mehrheit für die Verfassungsänderung, doch der König weigerte sich erneut, seine Zustimmung zu erteilen. Es ging um die Frage, inwieweit der König in Verfassungsangelegenheiten ein absolutes Vetorecht hatte.

Das Storting entschied jedoch am 9. Juni 1880, dass der Beschluss als geltendes Gesetz veröffentlicht werden sollte. König und Regierung weigerten sich nachzugeben, und der Konflikt endete damit, dass gegen das Kabinett Christian Selmer Anklage vor dem parlamentarisch-juristischen Verfassungsgericht ("Reichsgericht") erhoben wurde. Der Ministerpräsident und große Teile der Regierung wurden ihrer Ämter enthoben. Der König beugte sich dem Urteil des Verfassungsgerichts, ernannte aber trotz der Tatsache, dass die Partei Venstre über die Mehrheit in der Nationalversammlung verfügte, eine konservative Regierung. Auch diese Regierung konnte nicht mit dem Storting zusammenarbeiten, und am 23. Juni 1884 erhielt der Vorsitzende der Venstre, Johan Sverdrup, den Auftrag, eine neue Regierung zu bilden.

Damit war der Parlamentarismus in Norwegen eingeführt. Später bewiesen der so genannte Flaggenstreit und die Auseinandersetzung über eigene norwegische Konsulate den norwegischen Unwillen, in der Union nur eine untergeordnete Rolle zu spielen. 1905 verabschiedete das Storting das Gesetz über eigene Konsulate, und als König Oscar seine Zustimmung verweigerte, trat Ministerpräsident Christian Michelsen mit seinem Kabinett zurück. Der König war nicht in der Lage, eine neue norwegische Regierung zu ernennen, und so fasste das Storting am 7. Juni 1905 den Beschluss, dass die Union mit Schweden unter ein und demselben König aufgelöst war. Gut zwei Jahre später, am 8. Dezember 1907, starb König Oscar II.
 

1905
Die Streitfrage der Errichtung eigener norwegischer Konsulate führte schließlich zur Auflösung der Personalunion zwischen Norwegen und Schweden. Mehr als zehn Jahre lang hatte das Storting versucht, ein Gesetz über eigene Auslandsvertretungen zu beschließen, doch König Oscar II. verweigerte die Zustimmung. 1895 wurde von schwedischer Seite inoffiziell sogar mit Krieg gedroht. Zur Vermeidung einer bewaffneten Auseinandersetzung beschloss das Storting, mit den Schweden über die Regelung der Auslandsvertretungen zu verhandeln. Gleichzeitig wurden die norwegischen Streitkräfte aufgerüstet. Nach einem Veto des Königs trat die norwegische Regierung zurück. Da es dem König nicht gelang, eine neue Regierung zu ernennen, gab es de facto keinen gemeinsamen König für Norwegen und Schweden mehr. Am 7. Juni 1905 beschloss das Storting die Auflösung der Union.

Vasallenstaat
1902 kam die Frage eigener norwegischer Konsulate erneut auf die Tagesordnung, und im Herbst des darauf folgenden Jahres wurden die Verhandlungen wieder aufgenommen. Der Ausgangspunkt schien positiv zu sein, doch 1904 kam es zu einem Rückschlag. Die schwedische Regierung stellte Forderungen, die Norwegen nicht akzeptieren konnte - die so genannten "Vasallenstaatspunkte". Das Verhältnis zwischen den beiden geplanten eigenständigen Konsulatsystemen einerseits und dem Außenminister und den Diplomaten andererseits stellte ein Hauptproblem bei den Verhandlungen dar. Die Schweden wollten bei Uneinigkeit das letzte Wort behalten, was für Norwegen nicht in Frage kam. Die schwedischen Forderungen riefen bei den Norwegern Verärgerung und Zorn hervor. Über die politischen Grenzen hinweg schloss man sich gegenüber den Schweden zusammen. Die norwegische Regierung verlangte die Streichung der umstrittenen "Vasallenstaatspunkte", doch damit waren die Schweden nicht einverstanden.
 

Erneutes Veto
Innerhalb von Regierung und Storting wurde die Forderung nach Auflösung der Union immer lauter. Als die Minister Christian Michelsen und Jakob Schřning ihre Ämter zur Verfügung stellten, sah Ministerpräsident Francis Hagerup keinen anderen Ausweg, als auch selbst zurückzutreten. Am 11. März 1905 bildete Christian Michelsen eine neue Regierung, und aus seiner Antrittserklärung geht hervor, dass das neue Kabinett "den verfassungsmäßigen Anspruch Norwegens auf eigene Konsulate durchsetzen und die Souveränität als selbstständiger Staat behaupten würde". Diese Formulierung beinhaltete nicht notwendigerweise ein Ende der Union, doch immer mehr Norweger sahen keinen anderen Ausweg als die Trennung von Schweden. Ende Mai beschlossen die beiden Kammern des Stortings (Odelsting und Lagting) das Konsulatgesetz. Am 27. Mai sollte das Gesetz vom norwegischen Staatsrat im Stockholmer Schloss sanktioniert werden. Als König Oscar zum Ausdruck brachte, er könne seine Zustimmung nicht erteilen, bot die Regierung ihren Rücktritt an. Einen Rücktritt wollte König Oscar zwar grundsätzlich nicht akzeptieren, er wurde aber von seinem Sohn, Kronprinz Gustaf, dazu überredet. In einem Protokollvermerk schrieb der König: "Da ich mir völlig darüber im Klaren bin, dass die Bildung einer anderen Regierung nicht möglich ist, kann ich die Rücktrittsgesuche der Minister nicht annehmen."

Die Union wird aufgelöst
Der Protokollvermerk des Königs führte zum Beschluss des Stortings am 7. Juni 1905, die Union mit Schweden aufzulösen. "Da sämtliche Mitglieder des Staatsrates ihre Ämter niedergelegt haben, da Seine Majestät der König sich außer Stande sieht, dem Land eine neue Regierung zu verschaffen, und da die konstitutionelle Funktion des Königs nicht mehr gegeben ist, erteilt das Storting den Mitgliedern des heute zurückgetretenen Staatsrates die Vollmacht, als amtierende norwegische Regierung die dem König obliegenden Befugnisse verfassungs- und gesetzesgemäß bis auf weiteres auszuüben, und zwar mit den Änderungen, die durch die Auflösung der Personalunion mit Schweden infolge der Funktionsunfähigkeit des Königs als norwegischer König erforderlich sind". Gleichzeitig wurden die norwegischen Streitkräfte in höchste Alarmbereitschaft versetzt, man fürchtete nämlich eine Kriegserklärung von schwedischer Seite. So weit kam es jedoch nicht, denn die öffentliche Meinung in Schweden war nicht um jeden Preis bereit, die Union mit Waffengewalt zu verteidigen. Außerdem war die Haltung der Großmächte ein wichtiger Faktor für die friedliche Auflösung der Union.  

Volksabstimmung
Die Schweden verlangten die Erfüllung bestimmter Bedingungen, bevor sie in die Auflösung der Union einwilligen konnten. In einer Volksabstimmung sollte festgestellt werden, ob das norwegische Volk den Beschluss des Stortings unterstützte. Am 13. August 1905 sprachen sich 368 208 Personen für die Auflösung der Union und nur 184 dagegen aus. Stimmberechtigt waren zwar nur die Männer, doch 244 765 Frauen hatten einen Aufruf zu Gunsten der Unionsauflösung unterzeichnet. Ministerpräsident Christian Michelsen sollte die Verhandlungen mit Schweden leiten. Nach langen, zähen Beratungen in Karlstad einigten sich die beiden Länder auf eine von bestimmten Bedingungen abhängige Auflösung der Union.
Königswahl
Die Frage der künftigen Staatsform Norwegens führte zu heftigen Diskussionen in politischen Kreisen. Innerhalb der Partei Venstre gab es eine starke Gruppierung, die sich für die Republik aussprach. In Verbindung mit dem Beschluss vom 7. Juni 1905, die Union aufzulösen, ersuchte das Storting König Oscar um sein Einverständnis, einen Prinzen aus dem Hause Bernadotte zum norwegischen König zu wählen. Man dachte dabei an den Sohn des Königs, Prinz Carl, doch das Angebot wurde abgelehnt.

Ein dänischer Prinz
Schon vor dem Beschluss vom 7. Juni 1905 war ein anderer Prinz als aktueller Königskandidat ins Gespräch gebracht worden: Prinz Carl von Dänemark. Wichtige außenpolitische Gründe sprachen zu seinen Gunsten. Der junge Prinz war mit der britischen Prinzessin Maud verheiratet, der Tochter des späteren Königs Edward VII. und der Königin Alexandra. Englands Unterstützung war in der damaligen Lage sehr wichtig für Norwegen. Außerdem spielte es eine Rolle, dass das Paar bereits einen Sohn hatte, der die Erbfolge sicherstellen konnte. Die Ahnentafel des Prinzen ließ sich bis zum Geschlecht von Harald Schönhaar zurückverfolgen; mütterlicherseits war er mit den Bernadottes verwandt.

Ein vom Volk gewählter König
Von norwegischer Seite wollte man das Angebot gern offiziell aussprechen, damit der neue König die Verhandlungen mit Schweden leiten konnte. Doch Prinz Carl selbst wollte sich nicht ohne die Zustimmung seines Großvaters väterlicherseits, König Christian IX. von Dänemark, zur Verfügung stellen. Der dänische König argumentierte, dass die Verhandlungen mit den Schweden erst zu Ende geführt werden müssten, so wie König Oscar es wünschte. Die Verhandlungen wurden am 23. September 1905 abgeschlossen, und in einem Schreiben an das Storting vom 26. Oktober verzichtete König Oscar II. mit Zustimmung des schwedischen Reichstages auf den norwegischen Thron.

Im Laufe des Herbstes 1905 wurde von mehreren Seiten die Einführung einer republikanischen Staatsform in Norwegen gefordert. Die Gerüchte über diese Bestrebungen drangen auch nach Kopenhagen. Vor diesem Hintergrund erklärte Prinz Carl sich bereit, das Angebot anzunehmen, König von Norwegen zu werden, falls dies dem Wunsch des norwegischen Volkes entsprach. Daher wurde eine Volksabstimmung über die Staatsform beschlossen, die am 12. und 13. November stattfand. Es wurden 259 563 Stimmen für die Monarchie und 69 264 für die Republik gezählt. Mit dieser Abstimmung erhielt Prinz Carl den eindeutigen Auftrag des norwegischen Volkes. Fünf Tage später beschloss das Storting die notwendigen Verfassungsänderungen. Am gleichen Nachmittag bestätigte der neue König dem Storting in einem Telegramm, dass er - mit der Zustimmung von König Christian IX. - die Wahl akzeptiere und den Namen Haakon VII. annehme. Der Sohn Alexander solle fortan den Namen Olav tragen.

Eine selbstständige Nation
Am frühen Morgen des 25. November lief das dänische Königsschiff "Dannebrog" mit der neuen Königsfamilie an Bord in den Oslofjord ein. Es herrschte dichter Nebel und heftiges Schneetreiben. Bei der Festung Oscarsborg stieg die Königsfamilie auf das norwegische Marineschiff "Heimdal" um und setzte damit die Reise in die norwegische Hauptstadt fort. Ministerpräsident Michelsen begrüßte den neuen König mit folgenden Worten: "Fast 600 Jahre lang war das norwegische Volk ohne einen eigenen König. Noch nie konnten wir den König ganz den unseren nennen. Stets haben wir ihn mit anderen teilen müssen. Noch nie war er bei uns ganz zu Hause. Doch dort, wo das Zuhause ist, ist auch das Vaterland.

Heute sieht es hingegen anders aus. Heute kommt Norwegens junger König, um sich in der Hauptstadt Norwegens niederzulassen. Gewählt von einem freien Volk kann er als freier Mann sein Land führen und ganz unser eigener König sein. Nun tritt der König der Norweger wieder als das starke, sammelnde Symbol für alle nationalen Aktivitäten des neuen, selbstständigen Norwegens auf ...". Bei der Ankunft in Oslo wurden König Haakon, Königin Maud und Kronprinz Olav mit Salutschüssen von der Festung Akershus begrüßt. In der ganzen Stadt läuteten die Kirchenglocken, um anzuzeigen, dass das Land wieder eine Königsfamilie hatte. Haakon VII. legte am 27. November 1905 im Storting den Eid auf die Verfassung ab, und am 22. Juni des folgenden Jahres wurden er und die Königin im Nidarosdom gekrönt und gesalbt. Die Krönung und das unabhängige Königtum wurden zum Symbol der wiedererlangten Selbstständigkeit und Freiheit Norwegens.


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