Die UNESCO hat es sich mit ihrer Welterbeliste zur Aufgabe gemacht, die Aufmerksamkeit auf das Kultur- und Naturerbe der Menschheit zu lenken, indem das Welterbekomitee entscheidet, welche Stätten mit außergewöhnlich universellem Wert für künftige Generationen erhalten werden müssen.
Erstaunlicherweise ist es das erste Mal, dass norwegische Naturattraktionen in die UNESCO-Liste des Welterbes aufgenommen werden. Bisher sind fünf norwegische Kulturdenkmäler in der Liste zu finden: Bryggen (das hanseatische Hafenviertel von Bergen), die Stabkirche von Urnes aus dem 12. Jahrhundert, die Felszeichnungen von Alta und die Bergbaustadt Røros – und letztes Jahr kam das Vega-Archipel dazu. Die ersten beiden Sehenswürdigkeiten befinden sich in Fjord-Norwegen im westlichen Teil des Landes.
Meisterhaft vom Eis geformt
Mit den beiden berühmten Fjorden kamen auch die sie umschließenden, je 500 km2 großen Gebiete fast unberührter Natur auf die Welterbeliste. Zwischen ihnen erstreckt sich Jostedalsbreen, der größte Gletscher auf dem europäischen Festland. Die norwegischen Fjorde entstanden in mehreren Eiszeiten und wurden durch enorme Eismassen geformt, die damals die größten Teile Nordeuropas bedeckten. Tausend Jahre brauchte das Eis, um einen halben Meter Grundgebirge abzutragen.
Jährlicher Anziehungspunkt
Die UNESCO steht mit ihrer Meinung, dass die norwegischen Fjorde etwas ganz Besonderes sind, natürlich nicht allein. Im Jahr 2004 beschrieb die Zeitschrift National Geographic Traveler Magazine diese Fjorde als „das Reiseziel mit der am besten erhaltenen Natur weltweit“, und im gleichen Jahr setzte die renommierte amerikanische Zeitung Chicago Tribune die norwegischen Fjorde auf ihre Liste der „Sieben Naturwunder“.
„Wichtiger ist, dass die UNESCO die Entscheidung sehr vieler Reisenden bestätigt, die jedes Jahr in erster Linie nach Norwegen kommen, um die Fjorde zu sehen. Der Geirangerfjord und der Nærøyfjord üben bereits seit dem frühen 19. Jahrhundert eine magische Anziehungskraft aus, als die ersten Touristen nach Norwegen kamen“, stellt Elin Bolann fest, Direktorin von Fjord Norge, der Touristikorganisation von Westnorwegen.
Der Nærøyfjord ist vielleicht der spektakulärste Arm des Sognefjords und der schmalste Fjord der Welt. An einer Stelle ist er ganze 250 Meter breit und wird eingerahmt von 1800 Meter hohen Felsen, die sich im glitzernden Wasser spiegeln. Der weiter nördlich gelegene Geirangerfjord ist für seine ursprüngliche Schönheit und die großartigen Wasserfälle bekannt. Aus diesem Grund ist es durchaus verständlich, dass die UNESCO nicht nur die Fjorde, sondern ebenso die sie umgebende Landschaft als erhaltenswert erachtet. Auf kleinen Höfen weit oben – auf schmalen fruchtbaren Absätzen – wird zum Teil noch heute Landwirtschaft betrieben.
Stolze Touristikbranche
„Das ist großartig! Seit Generationen heißen die Norweger Gäste aus aller Welt willkommen. Diese Entscheidung der UNESCO wird alle hier in dieser wunderschönen Region um den Geirangerfjord zu noch engerer Zusammenarbeit inspirieren, um den Besuchern die besten Erlebnisse bieten zu können“, freut sich Geir Gjærde, Direktor des hiesigen Touristikverbandes.
„Ein Platz auf der UNESCO-Liste des Welterbes ist für uns die größte Ehre. Wir sind darauf vorbereitet, in den kommenden Jahren immer mehr Besucher zu begrüßen, wobei wir gleichzeitig alles tun werden, um diese herrliche Landschaft mit ihren Kulturstätten zu schützen“, verspricht Noralv Distad, Touristikchef der Region Nærøyfjord.