Edvard Munchs Sommerhaus in Åsgaardstrand ist „Das kleine Haus“, das der Ausstellung Olav Christopher Jenssens in der Städtischen Galerie Delmenhorst ihren Titel gibt. Zu sehen ist eine umfangreiche Gruppe von Zeichnungen, die seit 2007 in Edvard Munchs Refugium entstanden sind. Hinzu kommen rund 50 Skulpturen und eine Serie von Gemälden aus der aktuellen Produktion von Olav Christopher Jenssen.
Åsgaardstrand ist ein kleiner pittoresker Ort an der Vestfold-Küste des Oslo-Fjord. 1889 verbrachte Edvard Munch dort seinen ersten Sommer, 1897 kaufte er ein einfaches, Ende des 18. Jahrhunderts errichtetes Fischerhäuschen. Hier zog er sich vor seinem turbulenten Osloer Künstlerleben zurück. Viele bedeutende Gemälde entstanden in Åsgaardstrand, dessen lange wellenförmige verlaufende Küstenlinie zu einem Idiom für seine Landschaften, für seine Bilder von Begegnungen, Trennungen, von Wut, Trauer und Einsamkeit, geworden ist.
Olav Christopher Jenssen, Zeichnungen, 2010
Drei Mal ist Olav Christopher Jenssen nach Åsgaardstrand gereist. Blatt für Blatt hat er dort mit kraftvollen, klaren Umrisszeichnungen die Dinge und Details gezeichnet, die Munchs Haus bis heute so verblüffend lebendig erscheinen lassen. Was nunmehr zu sehen ist, trägt den Charakter einer subjektiven Inventarisierung. Die einzelnen Blätter zeigen Dinge aus Edvard Munchs Alltag: Schreibutensilien, Gefäße, Flaschen, Öllampen, ein spartanische Mobiliar, eine Waschschüssel, ein Ofen.
Olav Christopher Jenssen, Zeichnungen, 2010
Bezeichnet Olav Christopher Jenssen diese Zeichnungen als „Fragmente von Berührungen“, so wird deutlich, dass es um die prekäre Frage einer angemessenen Nähe und Distanz zu einer großen Künstlerpersönlichkeit geht. Schließlich ist Edvard Munch eine singuläre Erscheinung, die alles überragende Künstlerfigur Norwegens. Wie kein anderer steht er für die Psychologisierung eines künstlerischen Schaffens, für die Verbindung von persönlichem emotionalen Erleben und Kunst – und damit für allerlei Anekdotisierungen, interpretatorische Fallen und Kurzschlüsse. Olav Christopher Jenssen entgeht ihnen, indem er schlichtweg Dinge zeichnet, indem er das Phänomen ihrer Banalität und Evidenz zeichnerisch untersucht – frei von Pathos und Sentimentalität.
Olav Christopher Jenssen, Zeichnungen, 2010
1954 in Sortland geboren, ist Olav Christopher Jenssen einer der bekanntesten zeitgenössischen Künstler Skandinaviens. Über Jahrzehnte hinweg hat er als Maler, Zeichner und Bildhauer eine spezifisch nordische Sensibilität und Stimmung in seine unverwechselbare Bildsprache transferiert. Spätestens seit seiner Teilnahme an der documenta IX im Jahr 1992 ist er mit dieser einprägsamen künstlerischen Position auch einem breiten, internationalen Publikum bekannt.
Die Ausstellung ist Teil des Gesamtprojektes „Hinschauen! Munch - Moderne – Positionen“ (15.10.2011-26.02.2012) Kultur- und Marketingkooperation in der Metropolregion Bremen/Oldenburg im Nordwesten.
Die Ausstellung „Olav Christopher Jenssen. Das Kleine Haus“ wird von 2. Juni – 5. August 2012 im Edvard-Munch-Haus e.V. Warnemünde zu sehen sein.
Für weitere Informationen besuchen Sie die Webseite der Galerie oder lesen Sie den Veranstaltungsflyer auf dieser Seite.
Öffnungszeiten
Di. bis So. 11 – 17 Uhr
Do. 11 – 20 Uhr
Eintrittspreise
Erwachsene € 4,–
ermäßigt € 3,–
Familienkarte € 8,–
Schulklassen pro Schüler € 1,–
Kinder bis 12 Jahre frei
Text: Städtische Galerie Delmenhorst