Shishamo wird bereits seit Hunderten von jahren nahe der Insel Hokkaido im Norden japans gefangen. Der Name stammt aus einer legende der Ainu (der Ureinwohner Nordjapans), die vom Shishamo, dem Weidenblattfisch", berichtet, von dem man glaubte, dass ihn die Götter hungernden Dorfbewohnern zur Speise gesandt hatten. Als hoch geschätzte Spezialität aus Hokkaido war der Shishamo zunächst nur in seiner Heimatregion bekannt sowie in den besseren Restaurants von Toki-, Osaka und anderen Großstädtenjapans. In den späten sechzigerJahren jedoch entdeckte ein japanisches Handelsunternehmen namens Tokyo Maruichi Shoji in Island einen dem Shishamo sehr ähnlichen Fisch. Dieser Fisch war der isländische Kapelan; er wurde um 1966 nach japan exportiert und dort bei Verbrauchern zunehmend beliebter. 1972 schließlich begann Norwegen, Kapelan im großen Stil nachjapan zu exportieren.
Um während des Versands von Norwegen nach Japan die Qualität des Fisches zu erhalten, wurde der norwegische Kapelan sehr sorgfältig auf seine Vermarktung vorbereitet. jeder Fang wurde unverzüglich eingefroren und nachjapan verschifft,wo die Fische aufgetaut, in leicht gesalzenes Wasser getaucht und an Gestelle gehängt wurden, die dann für zehn bis zwölf Stunden in einen luftdurchströmten Trockenraum kamen (diese Methode wird auch heute noch angewandt).
Uber die jahre hinweg nahmen die Exporte zu und der norwegische Kapelan wurde m ganz Japan beliebt, was semer Quahtat, semem Geschmack und dem gleichbleibend großen Angebot zu verdanken war. Schließlich wurde dieser Fisch unter dem Namen "Norwegischer Shishamo" bzw: einfach "Shishamo" bekannt. Heute ist der norwegische Kapelan vom japanischen Markt nicht mehr wegzudenken; Norwegen ist zum größten Exporteur von Kapelan nachjapan aufgestiegen.
Der Kapelan gehört zur Familie der Lachse und ist ein ziemlich unscheinbarer Fisch, der sich im Vergleich zu seinen
bedeutend größeren Verwandten bescheiden ausnimmt. Bemerkenswert also, dass in japan gerade nach Kapelan eine bedeutende Nachfrage herscht; er ist dort in vielen Familien und Restaurants ein beliebtes Essen -sei es als Zwischenmahlzeit, Vorspeise oder Beilage. Bis zu 25.000 Tonnen weibliche Kapelane werden im Jahr in Japan verzehrt (das Weibchen mit ausgereiftem Rogen erfreut sich besonderer Beliebtheit).
Die Frage, warum der Kapelan in Japan so beliebt ist, lässt sich ganz einfach beantworten: Schon immer hatjapan, das in puncto Fischfang und -küche auf eine lange Tradition zurücksieht, Wert auf erstklassige Rohmaterialien gelegt.
Mit seinem Aroma und seiner Textur wird der Kapelan diesem Anspruch in höchstem Maße gerecht und ist obendrein perfekt zum Grillen über einer Gasflamme geeignet - der beliebtesten und am weitesten verbreiteten Art der Zubereitung in japan. So wird Kapelan als einfacher Snack gewöhnlich mit etwas Sojasauce serviert. Und da er weder filetiert noch ausgenommen werden muss, ist seine Zubereitung denkbar einfach: spülen, waschen, grillen.
Japan schätzt den Kapelan jedoch nicht nur wegen seines Geschmacks und der einfachen Zubereitung, sondern auch wegen seines hohen Nährwerts. Als Mitglied der Lichsfamilie stellt er eine gute Quelle an Omega-3-Fettsäuren und Proteinen dar, außerdem enthält er hohe Mengen an Kalzium, was besonders für Kinder wichtig ist.
Ein leckerbissen mit Perspektive: Prognosen weisen auf eine beständige, eher noch steigende Nachfrage in Japan hin.
Wenn man die Begeisterung der Japaner für Fisch und die mythologische Dimension des Shishamo berücksicht, dürfte sich diese Prognosen erfüllen. Für einen kleinen Fisch eine echt große Leistung.