Die Atmosphäre ist angespannt, alles geht sehr schnell. Die Kandidaten haben einen langen und harten Weg auf sich genommen, um es bis hierher zu schaffen, für Fehler ist hier kein Platz. Hunderte Fotografen drängen
in den Raum, während begeisterte Fans auf den Rängen jubeln. Inmitten des Trubels behält eine lebende Legende die Vorgänge im Auge.
Ein Sportereignis? Das nicht, aber diese Veranstaltung nimmt in der kulinarischen Welt denselben Rang ein wie eine Weltmeisterschaft oder sogar die Olympischen Spiele. Über sie wacht der Großmeister des Genusses, jener Mann, dessen Ruf so legendär ist, dass die Preise seinen Namen tragen: Paul Bocuse.
Vorhang auf für den Bocuse d'Or, einen der renommiertesten Kochwettbewerbe der Welt. Bereits zum dritten Mal wurden norwegischer Fisch und Meeresfrüchte als offizielles Fischereierzeugnis ausgewählt. 2003 war das Jahr der norwegischen Fjordforelle, 1999 überzeugten norwegischer Seelachs und Jakobsmuscheln und 1997 norwegischer Skrei die anspruchsvolle Jury.
Der Bocuse d'Or hat sich zum wichtigsten Preis bei Profiköchen aus aller Welt entwickelt, und so ist der Wettbewerb zugleich Forum unterschiedlicher kulinarischer Traditionen und neuer Konzepte in der Gastronomie. Paul Bocuse, Schirmherr und Gründer des Wettbewerbs, erinnert sich:
"Als ich den Bocus d'Or 1987 mit Hilfe meines Freundes Albert Romain, der damals Leiter des Exhibition Centre war, aus der Taufe hob, war uns klar, dass dieses Ereignis unter den Profiköchen auf große Zustimmung stoßen würde. Aber wir haben niemals mit einem derart überwältigenden Erfolg gerechnet. Die Komponente eines ,Live-Auftritts'
vor großem Publikum machte diesen Gastronomie-Wettbewerb einzigartig und veranschaulichte erstmals den Arbeitsaufwand, der in den Küchen berühmter Restaurants betrieben wird. Ich bin heute stolz darauf, sagen zu können, dass der Bocuse d'Or im kulinarischen Bereich die begehrteste Trophäe der Welt ist und dass sie dem Sieger verdientermaßen alle Wege für eine Karriere eröffnet. Angesichts der vielen Talente in aller Welt ist der Gewinn eines Bocuse d'Or jedoch leider ein nahezu unerreichbares Ziel."
Die kulinarische Weltmeisterschaft findet alle zwei Jahre in Lyon statt. In aller Welt werden äußerst anspruchsvolle regionale und nationale Wettbewerbe abgehalten, in denen die Vertreter vermittelt werden, die beim Bocuse d'Or antreten dürfen.
Vielversprechende Profiköche aus 24 Teilnehmerländern und fünf Kontinenten kämpfen um den heiß begehrten Preis. Nach den Vorausscheidungen verbringen die Finalisten Monate damit, ihre Gerichte weiter zu verfeinem und die Präsentation zu perfektionieren. Das bedeutet für die Köche stundenlanges Üben, oft genug in der spärlichen "Freizeit" mitten in der Nacht, wenn die Küchen der Restaurants geschlossen sind.
Im Laufe des Wettbewerbs arbeiten die Teilnehmer Seite an Seite in kleinen Schauküchen. Jedem Koch stehen fünf spannungsgeladene Stunden zur Verfügung, in denen er aus den von der Bocuse-d'Or-Leitung ausgewählten Zutaten je ein Gericht aus Meeresfrüchten und ein Fleischgericht zubereiten muss. Im Jahr 2003 waren diese Zutaten zum einen norwegische Fjordforelle, zum anderen Boeuf de Tradition Bouchere, das von Interbev, dem Fachverband der französischen Vieh- und Fleischwinschaft, zur Verfügung gestellt wurde.
Es ist ein wahres Fest an Aroma, Geschmack und Farbe, bei dem schließlich ein Schiedsgericht von 24 Küchen-Profis (zwölf für Fisch und zwölf für Fleisch) auf Basis von Geschmack und Präsentation die alles entscheidenden Wertungspunkte vergibt.
Die ersten drei werden mit Gold, Silber und Bronze belohnt.
Auch die für den Wettbewerb vorgesehenen Fisch- und Fleischprodukte werden peinlich genauen Prüfungen unterzogen. Yves Hunckler, General-Manager von Sepelcom (dem offiziellen Ausrichter des Bocuse d'Or 2003), erklärt, dass die norwegische Fjordforelle zum offiziellen Fischprodukt 2003 ausersehen wurde, weil "es sich dabei um ein in der Welt, mit Ausnahme Japans, bisher wenig verbreitetes Produkt handelt, was für den Bocuse-d'Or-Wettbewerb immer interessant ist. Vor allem aber ist dieses Produkt das Ergebnis der Leidenschaft, mit der in Norwegen Fischzucht unter natürlichen Bedingungen betrieben wird. Das ist genau das, wonach die kulinarische Welt sucht."
Hunckler weiß, dass norwegische Fischereierzeugnisse zu Recht über die Jahre hinweg beim Bocuse d'Or vorgestellt wurden- schließlich ist Norwegen mit großem Eifer bemüht, aufstrebenden Profiköchen aus aller Welt ein Sprungbrett für ihre Karriere und ihre professionelle Entwicklung zu bieten. Dabei ist Fisch für das Land von so zentraler Bedeutung, wie es die Gastronomie für Frankreich ist -ein guter Grund, höchste Qualitätsmaßstäbe an alle Fischereierzeugnisse anzulegen.
Letztlich ist auch das internationale Engagement der norwegischen Fischereiindustrie (die in mehr als 150 Länder in aller Welt exportiert) eine Kriterium, das bei der Wahl der Partner für den Bocuse d'Or eine Rolle spielt.
Einer Tatsache können sich sowohl die Teilnehmer als auch das Publikum des Bocuse d'Or sicher sein: Dieser Wettbewerb ist ein einzigartiges kulinarisches Ereignis, bei dem Meisterschaft und Nationalstolz, Kreativität und regionales Talent eine faszinierende Komposition ergeben. Der Sieger wird vollmundig
gelobt und tritt augenblicklich ins Rampenlicht der gastronomischen Welt - als Star der Stars und Koch von Weltformat.