Natur, Dichtung und Wahrheit: Prosa und Lyrik, Fakten und Fiktion, Bild und Natur werden durcheinandergewirbelt und sprengen überkommene literarische Formen. Es geht um die Schönheit und ihre Schattenseite, um die Kunst und den Preis, der dafür zu zahlen ist. ›Jan van Huysums Blumenstück‹ ist ein Schlüsseltext für die norwegische Literatur und ein Bekenntnis Wergelands zur Schönheit der Poesie, der Kunst – ja des Lebens.

So wenig wie Wergeland aus dem literarische Kanon der nordischen Romantik wegzudenken ist, kann auch der gesellschaftliche und politische Kontext der sich entwickelnden norwegischen Nation nicht ohne ihn begriffen werden. Als Patriot und Volksaufklärer fühlte sich Wergeland einem Freiheitsbegriff verpflichtet, der auch der Peligionsfreiheit große Bedeutung beimaß. Berühmt wurde seine (erst nach seinem Tod erfolgreiche) Intervention gegen den sogenannten "Judenparagraphen" in der noch relativ jungen norwegischen Verfassung, der Juden und Jesuiten das Betreten norwegischen Bodens untersagte. Vor diesem Hintergrund und nicht ohne Bezug zu den Geschehnissen vom 22. Juli in Oslo werden auch der Ideehistoriker und Steffens-Professor an der Humboldt Universität Berlin Kjetil Jakobsen, der vorher eine Konferenz zu „Die Öffentlichkeit nach dem 22. Juli: Meinungsfreiheit im Zeitalter der Cyber-Politik“ abhält, sowie Katharina Bock befragt, die eine Arbeit zu Wergeland und der sogenannten "Judensache" vorgelegt hat.
Montag, 5. Dezember 2011, 19.30 Uhr
Buch des Monats:
Jan van Huysums Blumenstück
von Henrik Wergeland
Felleshus der Nordischen Botschaften
Rauchstr. 1, 10787 Berlin
Henrik Wergeland
Jan van Huysums Blumenstück
[Jan van Huysums Blomsterstykke (1840)]
Aus dem Norwegischen und mit einem Vorwort von Hinrich Schmidt-Henkel, einem Nachwort von Heinrich Detering und einer künstlerischen Gegenüberstellung von Bettina Krieg
94 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
17 Abbildungen