Referenden sind auch in Norwegen außergewöhnliche Ereignisse. Nur wenige Male ist es dabei zu landesweiten Referenden gekommen: 1905 suchte das Storting die Bestätigung des Volkes, als es die Union mit Schweden aufzulösen wollte (Ergebnis: 368 208 Ja-Stimmen, 184 Nein-Stimmen), und auch die Frage, welche Staatsform das künftige Norwegen tragen sollte, wurde dem Volke damals vorgelegt. Es entschied sich für die Monarchie, nicht die Republik.
Ein weiteres Referendum fand 1919 statt und betraf einen Gegenstand der ganz anderen Art: 60 Prozent der Wähler stimmten für ein Verbot von Wein und Spirituosen. Kaum einer hatte die Folgen richtig eingeschätzt: Die Mittelmeerländer schlossen ihre Grenzen für norwegischen Fisch, weil Norwegen keinen Wein und Weinbrand mehr kaufen wollte. So legte das Storting die Frage 1926 erneut dem Volke vor - diesmal stimmte die Mehrheit für eine Aufhebung der Prohibition.
Auch ein halbes Jahrhundert später, im September 1972, legte die norwegische Regierung ihren Bürgern eine Frage vor, die das Verhältnis von Peripherie und Zentrum betraf: Sollte Norwegen der Europäischen Gemeinschaft beitreten? Bauern empfanden Industrialisierung und Urbanisierung als Bedrohung, Fischer fürchteten, die Fischereiflotten der EG-Mitgliedstaaten könnten Zugang zu Gewässern entlang der norwegischen Küste bekommen. Und der linke Flügel der Arbeiterbewegung wetterte gegen den wirtschaftlichen Liberalismus. Das Ergebnis: 53,5 Prozent der Norweger stimmten gegen, 46,5 Prozent für einen Beitritt zum neuen Europa.
Diesmal konnte das Ergebnis nicht mit einem neuen Referendum korrigiert werden: Auch 1994 stimmte Norwegen gegen die Europäische Union.